Kalk und Korrosion
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LEGIONELLEN

(Doku-LE)


Im Jahr 1976 erkrankten mehr als 200 Veteranen der amerikanischen Legion anlässlich eines Besuches einer Parade an einer Art Lungenentzündung, hervorgerufen durch Bakterien, die mittels Aerosolen (feinsten Wassertröpfchen) wahrscheinlich aus einer raumlufttechnischen Anlage eines Hotels  freigesetzt worden waren; ca. 15% der infizierten Veteranen verstarben, und wie erst im Nachhinein festgestellt werden konnte, an einer Legionellose. Die davor unbekannte Art dieser bakteriel ausgelösten Lungenentzündung bekam so die Bezeichnung Legionärskrankheit oder Legionellose, hervorgerufen durch die danach so benannten Bakterien "Legionella pneumophilia". Es wurde mittlerweile festgestellt, das ca. 30 verschiedene Legionellen-Arten mit über 50 Untergruppen existieren. Bereits Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde zu dieser Problematik berichtet, es hat jedoch den Anschein, dass diese Informationen nicht besonders ernst genommen worden sind. Nach vorliegenden Informationen sterben in der Bundesrepublik derzeit mehr Menschen an den Folgen einer Legionellose als an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Mittlerweile berichten die Medien über die Legionellose-Problematik, die eigenlich so nicht neu ist.
Legionellen sind Bakterien s. (Doku-GR), die die sog. Legionellose auslösen können, also eine Erkrankung der Lunge, die ohne Behandlung mittels geeigneter Medikamente zum Tode führen kann.
Legionellen sind kleine, stabförmige, bewegliche Bakterien (Durchmesser min. 0,3 µm = 0,3 tausendstel Millimeter) die auch in Lebensgemeinschaften mit Algen, Amöben und auch mit anderen Bakterien auch in/auf sog. Biofilmen leben. Legionellen können vorhanden sein im Boden, Salz- und Süßwasser - unerheblich ob es sich dabei um Oberflächenwasser (z.B. Bach-, Fluss- oder Talsperrenwasser) oder um Brunnenwasser handelt.  Je niedriger die Umgebungstemperatur des Mediums in dem die Legionellen vorhanden sind ist, um so geringer ist die Vermehrungsrate der Legionellen. Überlebensfähig sind Legionellen im Temperatur-Bereich von ca. minus 65°C bis ca. plus 60°C. Optimale Umgebungstemperaturen (z.B. in warmen Kellern mit ungedämmten Kaltwassersystemen) von ca. plus 20°C bis ca. plus 45°C für die Vermehrung der Legionellen lassen eine Vermehrung von zunächst einer Legionelle in nur ca. 12 Stunden auf ca. 8 Millionen Legionellen zu. Bei einer Medium-Temperatur von z.B. ca. 30°C ist so in nur ca. 4 Stunden von einer Verdoppelung der Anzahl der Legionellen möglich. Es ist bekannt geworden, dass Bakterien wie die Legionellen im Wasser Biofilme entwickeln, auf/in denen diese leben und sich vermehren. Alle bekannten Installations-Werkstoffe (z.B. Eisen, Kupfer, Kunststoffe, sogar Glas und Keramik) in Gebäude-Installationen oder anderen wasserführenden Systemen sind durch Legionellen besiedelbar. Es erscheint nicht sicher, dass das Legionellen-Problem bei Befall der Installation z.B. allein durch den Austausch von Teilen oder der gesamten Installation lösbar ist, da nicht auszuschließen ist, dass mit neuem Frischwasser wieder neue Legionellen in die Installation gelangen (s.o.) können. Als besonders "förderlich" für die Legionellen-Vermehrung erscheinen große Innenoberflächen von wasserführenden Systemen (z.B. auch zerklüftete Kalkverkrustungen) und/oder lösliche Eisensalze, Kalium oder die Aminosäure C-Cystein, und  - das erscheint zunächst unsinnig -  bei einem pH-Wert des Wassers von 6,9, also fast im "Neutral-Bereich", so die vorliegenden Informationen. Ein erstes wichtiges Ziel sollte sein, die Innenoberflächen in wasserführenden  Systemen so klein als nur möglich zu gestalten. Auch der Mensch leistet der Vermehrung der Bakterien im Wasser  Vorschub, z.B. durch die Abgabe von winzigen Hautabspaltungen und Phosphaten (aus gewaschener Badebekleidung) oder durch Phosphat-Zugabe gegen Kalk/Korrosion (ggf. im Trink/Frischwasser). s. (Doku-WW)

Zum eigentlichen Problem werden Legionellen zumeist erst dann, wenn diese mittels Aerosolen (Wassertröpfchen mit Durchmessern von ca. 5 µm = 5 tausendstel Millimeter, und kleiner) mit rel. hohen Legionellen-Konzentrationen in die Umwelt versprüht und diese Aerosole (Doku-GR) von den Menschen eingeatmet werden. Diese kleinen Aerosole sind lungengängig und können so eine Legionellose auslösen.
Solche Aerosole können entstehen beim Betrieb von Duschköpfen, Perlatoren, Schleifturbinen und Spraypistolen an Behandlungsstühlen von Zahnärzten, Schwimmbädern, Whirlpools,  Kühltürmen, Luftwäschern und nicht zuletzt durch Springbrunnen und Wasserspiele. s. (Doku-CUS)

Damit jedoch kein unrichtiger Eindruck im Hinblick auf das Legionellen-Problem entsteht: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine einzige Legionelle einen Schaden (Infektion) anrichtet, ist relativ unwahrscheinlich. Das Infektionsrisiko steigt erst mit der Menge der Legionellen in den Wassertröpfchen, die sehr klein sein müssen (s.o.) damit diese lungengängig sind. Des Weiteren spielt die Feuchtigkeit und Temperatur der Umgebungsluft und somit die Verdunstungsgeschwindigkeit der Aerosole eine Rolle,  die Art und Menge der Wasserinhaltsstoffe, die Grösse des Flächenangebotes der wasserberührten/wasserführenden Kalt- und Warmwassersysteme, die Verweilzeit von Menschen in Bereichen in denen Aerosole vorhanden sind bzw. entstehen oder in die Atemluft eingeleitet werden können, ebenso die technischen Gegebenheiten im Hinblick darauf ob und wie die Aerosole verbreitet werden können, auch der Gesundheitszustand und ggf. das Alter der Menschen die den Aerosolen ausgesetzt sind Parameter für eine Infektions-Gefährdung.

SCHWIMMBÄDER/WHIRLPOOLS
Technischen Unzulänglichkeiten  in Schwimmbädern oder Whirlpools können einem Infektionsrisiko durch Legionellen Vorschub leisten. Hierzu zählen u.a. eine unzulängliche Wasserführung, zu klein ausgelegte Filteranlagen, zu kleine Rückspülmengen bei z.B. Kiesfiltern, zu lange Filter-Stillstandszeiten, zu seltene Filterrückspülungen, keine oder zu geringe Frischwassernachspeisung,
zu geringe oder zu große Mengen an Desinfektionsmittel, bedingt durch erhöhte Wassertemperaturen (CO2-Ausgasung) ausgelöste pH-Wert-Schwankungen, geforderte Wassertemperaturen bis 37°C, um nur einige Gesichtspunkte zu nennen. s. (Doku-CUS).

KÜHLTÜRME/LUFTWÄSCHER
Bei Kühltürmen und Luftwäschern ergeben sich Probleme ähnlich wie bei Schwimmbädern und Whirlpools, nur sind diese ungleich grösser, weil bei diesen Wasseranwendungen die umzuwälzenden Wassermengen und auch der mögliche Eintrag von Stäuben, Pollen etc. auch in Verbindung mit Bakterien technisch bedingt um ein Vielfaches höher ist. Auch hier ist eine optimale Vorbehandlung des Wassers und natürlich auch bedingt durch hohe Verdunstungsraten des Frisch- und Nachspeisewassers  unbedingt notwendig. Oft werden zur Konditionierung des Wassers luftflüchtige Chemikalien wie Algizide, Biozide und Herbizide eingesetzt. Hersteller dieser Mittel können sicherlich Auskunft darüber geben, ob und wie schädlich diese Stoffe für den Menschen sein können, wenn diese derartige Chemikalien einatmen. Zum Betrieb von Kühltürmen und Luftwäschern können auch
an die Gegebenheiten angepasste Luftfilter Einsatz finden - aber äußerst wichtig: die notwendige ordentliche Wartung der Kühltürme (oder Luftwäscher) und der eingesetzten Luftfilteranlagen.

SPRINGBRUNNEN/WASSERSPIELE
Äußerst problematisch im Hinblick auf das Infektionsrisiko mit u.a. Legionellen können sich nicht optimal ausgerüstete Springbrunnenanlagen und sog. Wasserspiele erweisen, die von Besuchern (auch Kindern) arglos (z.B. auch zwecks Abkühlung an heissen Sommertagen) aufgesucht werden.

Zu  solchen Wasseranwendungen stehen Berichte von namhaften Medien aus der Praxis zur Verfügung, die auf Wunsch separat angefordert, übermittelt werden können.
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